24. November

Kosten der Unternehmensgründung – Plan und Wirklichkeit

von Christian Metzeler Kommentieren

Das hier ist im Prinzip der vierte Teil meiner Blogserie „Der Weg zum eigenen Unternehmen“. Ich hab ihn nur anders benannt, weil ich den Fokus viel enger gesetzt habe, als gedacht. Denn vor einiger Zeit bin ich beim Stöbern auf diesen Blogbeitrag (ja, ist schon älter, na und?) gestossen und habe mir gedacht „Das kannste vermutlich etwas besser“. Tja, also habe ich mir jetzt zwei Stunden Zeit genommen und versucht, es ausführlicher auf unseren eigenen Unternehmenstart abzubilden – aber nur bezogen auf unsere Investitionskosten. Die laufenden Kosten halte ich hier mal aussen vor, da ich diese durchaus als Betriebsgeheimnis ansehe. Aber die Investitionen sind eher trivial, finde ich.

Also: wir haben unseren Laden zu Beginn für sechs Personen eingerichtet und brauchten also sechs Arbeitsplätze. Zugegeben, unser Büro ist nicht das häßlichste, aber unser Anspruch war auch, ein professionell arbeitendes Unternehmen in einer angenehmen Atmosphäre zu gründen um darin gern zu arbeiten. Allerdings waren wir bei der Einrichtung sehr sparsam, haben überall jeden Cent zweimal umgedreht und insbesondere bei den Möbeln fast nur gebrauchte erworben oder simples Zeug bei Ikea eingekauft. Das einzige Möbelstück, das wir uns richtig Geld kosten lassen, sind die Arbeitssessel. Deren Wiederverkaufswert ist aber so hoch, dass sie auf keinen Fall eine Fehlinvestition sind. Im Gegenzug zu bspw. Laptops oder anderer Elektronik werden die nämlich so gut wie gar nicht an Wert verlieren. Inzwischen haben wir – fünf Monate nach dem Start – schon acht Arbeitsplätze eingerichtet, was die Kosten dafür erhöht hat.

Hier eine Übersicht über unsere Kalkulation bzgl. Investitionen und Sonderkosten der Gründung. Die Tabelle entspricht im groben unseren Tabellen im Businessplan, ist aber zusammengefasst und gekürzt. Die Gesamtkosten stimmen jeweils ungefähr, sind aber durchaus großzügig gerundet. Laufende Kosten sind wie gesagt darin natürlich nicht enthalten. In den blauen Zeilen summieren sich jeweils die Posten der weißen Zeilen darunter darunter. Die zweite Spalte gibt unseren Plan, also die Schätzung, an, die dritte Spalte unsere Ausgaben und die vierte Spalte unsere Fehlschätzung. Steht da also +26 %, haben wir 26 % mehr ausgegeben, als geplant usw.

Position: Unser Plan: Unser Ist: Fehlschätzung
Investitionen 32.100 26.000 - 26 %
1. Hardware 09.600 13.000 + 26%
1.1 Desktops und Server 02.500 04.200
1.2 Laptops 01.200 03.500
1.3 Bildschirme 02.000 02.000
1.4 TK-Anlage und Co 01.200 00.300
1.5 Sonstiges 02.700 03.100
2. Büroeinrichtung 13.500 11.000 -18,5%
2.1 Schreibtische und Stühle 03.500 05.500
2.2 Schränke und Regale 03.500 02.300
2.3 Konferenzraum 03.500 01.200
2.4 Sonstiges 03.000 01.900
3. Software 09.000 02.000 - 78%
3.1 Office-Lösungen 02.500 00.400
3.2 Datenverwaltung und Netzwerk 02.000 00.700
3.3 Faktura/Adress/Unternehmensplan 03.000 00.000
3.4 Sonstige 01.500 00.900
Formale Gründungskosten 1.200 00.700 - 42%
Anmeldung, Eintragungen, Genehmigungen 00.200 00.100
Beratung 0 00.250
Wirtschaftsprüfer 0 0
Erstellung Geschäftsunterlagen 00.500 00.350
Patente, Lizenzen, Franchisegebühren 0 0
Rechtsgutachten 00.500 0
Sonderkosten der Gründung 04.400 05.400 + 23%
Mietkaution 03.400 03.400
Erstellung eines Corporate Designs 0 0
Elektroinstallationen 00.250 01.200
Einbaumaßnahmen 00.500 00.500
Sonstiges 00.250 00.300

Wie man unschwer erkennen kann, sind die Unterschiede insgesamt nicht sehr gravierend, in den einzelnen Punkten aber dennoch deutlich:

Wir haben mehr Laptops als erwartet gekauft, konnten aber bei der TK dank VoIP richtig sparen. Bei der Software konnnten wir noch besser sparen, bspw. bei den Office-Lösungen. Ja, wir setzen MS-Office ein, weil wir unsere Zeit nicht mit Kompatibilitätsproblemen verschwenden wollen und können. Und wie wir 10 Arbeitsplätze mit allem, was von Microsoft kommt, mit gerade mal etwas mehr als 300 Euro ausstatten konnten? Darüber hatte ich schonmal gesprochen, hättet ihr mal besser aufgepasst… Und da wir nun ein Open-Source-CRM einsetzen, konnten wir auch die Kosten bei der Adressverwaltung und der Faktura sparen. Außerdem haben wir einiges ohnehin unserer Steuerberatung aufgebürdet ;-) . Es gilt, alles, was wir selbst nicht richtig gut können, denen zu überlassen, die es können.

Die formalen Gründungskosten waren – ehrlich gesagt – ein Scherz. Ein bisschen Steuerberatung im Vorfeld, um unseren Businessplan prüfen zu lassen und Kosten für Visitenkarten und ein Banner für den Balkon (eigentlich Marketing, aber es gehört halt zur Gründung). Dazu noch die Gewerbeanmeldungen… naja, alles harmlos.

Bei den Sonderkosten kam mehr auf uns zu, weil bestimmten Installationen in unserem Büro einfach nötig waren und die Ethernet-Verkabelung, Licht und Telefonanschlüsse nicht so ganz simpel zu verlegen waren. Auf dem Boden sollte halt nichts rumliegen, macht sich nicht gut – auch gegenüber Kunden – wenn es wie bei Hempels unterm Sofa aussieht. Wir sind ja nicht mehr im Jahr 2000, wo man einfach vier Monitore aufstellen und sich ein paar wilde Skizzen an die Wand hängen konnte und einen auf „wir-sind-ne-supertolle-Webklitsche“ machte.

Ja klar, man kann das alles auch billiger haben – aber nicht viel und jedenfalls kaum für sechs bis inzwischen acht Personen. Insgesamt waren wir sehr, sehr sparsam und unsere Planung doch sehr realistisch – ein Ergebnis stetiger Überarbietung, Checks und Gegenchecks. Und doch haben wir teilweise erheblich Fehleinschätzungen gehabt. Man sieht also: gute Planung ist sehr, sehr nötig und trotzdem wird die Realität teilweise anders aussehen.

Dieser Beitrag wurde von Christian Metzeler am 24. November 2008 verfasst.

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