11. Oktober

Der Weg zum eigenen Unternehmen – Teil 3

von Christian Metzeler 2 Kommentare

Im ersten Teil beschrieb ich die Anfänge unserer Planung, Gespräche und blaue Augen, im zweiten Teil ging es vorrangig um die deprimierende Banken- und Kreditsuche. Im dritten Teil soll es nun um den Krediterhalt, die Förderung und die langwierige Zeit bis zur vollständigen Geschäftsaufnahme gehen.

Wir warteten also, denn die KfW liess sich doch – bedingt durch Feiertage und vielleicht auch ein bisschen Chaos, weil die Bank ja in diesem Jahr nicht ganz unumstritten dasteht – rund vier bis fünf Wochen Zeit mit ihrer Antwort. So vollkommen ungelegen kam uns das nicht, denn auch unser Antrag auf eine Förderung durch einen bestimmten Technologietopf lag noch zur Bearbeitung im Wirtschaftsministerium herum. Insgesamt tat sich daher von Mitte März bis Ende April fast gar nichts, ausser, dass wir weiter nach Büroräumen suchten.

Und die Büroraumsuche war auch ganz interessant: die ganze Zeit hatten wir bereits ein bevorzugtes Objekt in der Hegelstraße. Als wir dann zum Vermieter gingen und sagten: “ok, wollen wir”  war es plötzlich bereits vermietet. In diesem Zusammenhang kann ich heute sagen: einen herzlichen Dank an die Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt, denn ihr habt dafür gesorgt, dass wir jetzt in den Räumen sitzen, die wir am tollsten finden! Aber zunächst standen wir blöd da und schwenkten auf unsere zweite Wahl um. Nur schien es, als ob die zuständige Vermietung des Quartieres zwischen Liebig- und Einsteinstraße am Schleinufer sich nicht unbedingt anstrengen wollte, uns ein Büro zu vermieten. Insgesamt fünf Anrufe mit der Bitte um Zusendung eines Mietvertrages blieben mit der Auskunft “Ja, kommt morgen” dann doch unbearbeitet und ohne jegliche Reaktion und somit war es dann am Ende sogar mir klar, dass wir wohl zu unbedeutend für die bedeutende Vermietungsgesellschaft DeLaMotte waren. In diesem Sinne… wer keine Mieter braucht, bekommt auch keine – was man deutlich an dem leerstehenden Quartier dort sieht.

Aber auch hier: Glück im Unglück, denn während wir da blöd hingehalten wurden, bekamen wir das Angebot zur Besichtigung der Büroräume, die wir jetzt auch bewohnen und wir wussten schon beim Reingehen: DAS IST ES! Allein der Blick vom Balkon auf den Hassel löst schon ein Glücksgefühl aus, aber letztlich wussten wir sofort: die Räume sind ideal für unsere Zwecke geschnitten: Die Entwickler in einem Raum auf einem Haufen, der Vertrieb nebendran, aber etwas abgetrennt, ein großer Konferenzraum, Expansionsmöglichkeiten und wir wohnen alle 200 Meter drumherum. Genial, komfortabel, repräsentativ, schön, aber vor allen Dingen: extrem produktiv.

Aber vor den Blick vom Balkon hat der Herr nunmal den Kredit und die Förderung gesetzt: Ende April kam ein freudiger Anruf von unserer KfW-Betreuerin bei der IB, dass die KfW “Ja” gesagt hätte und nun könnten wir zur Unterschrift vorbeikommen. Gesagt, getan, einen Tag darauf standen wir auf der Matte und unterschrieben überglücklich die Knebelverträge… total zinsgünstigen Kreditverträge mit der KfW. Nein, im Ernst: mit einem Zinssatz von 5,95% (oder so… irgendwo in der Gegend) sind das wirklich gute Kondititonen, welche das KfW-Startgeld bietet: zwei Jahre tilgungfrei, nur die Zinszahlungen müssen in der Zeit erbracht werden. Danach Tilgung in acht weiteren Jahren (man kann auch fünf Jahre Gesamtlaufzeit machen, aber wir dachten, zehn sind bequemer). Und die KfW haftet gegenüber der (durchleitenden) IB mit 80% (glaub ich) für eventuelle Ausfälle (also falls wir doch noch nach Grand Cayman abhauen).

So: in der zweiten Maiwoche hatten wir dann alle plötzlich richtig viel Geld auf unseren privaten Konten. Da das Startgeld nämlich personen- und nicht unternehmensgebunden läuft, bekommt man es persönlich überwiesen. Wir transferierten soviel Geld jeweils lieber gleich aufs Firmenkonto… nur um die Versuchung abzuwehren. :-) Ein Glück, dass Mitte Mai dann auch unser Förderbescheid positiv entschieden wurde und wir somit wussten: wir können uns das gewünschte Büro leisten.  Wir rannten umgehend zum Vermieter, unterschrieben den Vertrag… und durften schon wieder warten. Denn Renovierung und Umbau würden natürlich nochmals Zeit in Anspruch nehmen. Jetzt war schon Ende Mai und als Termin für den Bezug des Büros war nun die erste Juliwoche avisiert- ein Monat nach unserem eigentlichen Plan.

Gut, der Vermieter hielt Wort und jagte den Renovierungstrupp binnen 10 Tagen durch unsere Büroeinheit (was man bisweilen auch merkt, denn manches hätte durchaus präziser erledigt werden können). Und was wir nicht alles an Kleinigkeiten oder auch größeren Problemen hatten: unser Funk-DSL verzögerte sich um drei Wochen weil die zuständige Firma herumfaulenzte, das frisch eingezogene Kabelnetzwerk in den Räumen war falsch verdrahtet und somit ziemlich fehleranfällig, der Strom und das Netzwerk am Konferenztisch funktionierten nicht, die Schüssel für die Haus- und Bürotüren kamen ewig nicht (versucht mal, mit sechs Leuten mit einem oder zwei Schlüssel klarzukommen) und auch unsere Arbeitssessel brauchten eine Weile, bis sie endlich da waren (vier Wochen Lieferzeit für Stühle…. tsss).

Alles in allem vergingen also vom Bezug des Büros zum 2. Juli nochmal gute drei Wochen, bis wir hier arbeitsfähig wurden. Das war keine besonders angenehme und produktive Situation, weil wir schon dabei waren, Aufträge umzusetzen. Aber mit dem Eintreffen unserer Stühle und der endlich funktionsfähigen Netzanbindung war es Ende Juli dann soweit und wir konnten den Betrieb aufnehmen.

Der jetzt noch folgende vierte Teil soll die ersten drei Monate unserer Unternehmung erzählen und auch einige Zahlen liefern, die den ein oder anderen sicherlich interessieren werden. Bis dahin…

Dieser Beitrag wurde von Christian Metzeler am 11. Oktober 2008 verfasst.

  1. 1 Tobias am 12. Oktober 2008um 23:48 Uhr

    Sehr interessant eurer Tagebuch, bin schon gespannt auf eure weiteren Einträge.

    Aber noch interessanter wäre es, wenn ihr als CMS Drupal http://drupal.org/ einsetzen würdet :D

    mfg

    TobiB

  2. 2 smava Blog » Blog Archive » Der Traum von der Selbständigkeit am 17. Oktober 2008um 10:42 Uhr

    [...] man eine clevere Geschäftsidee und entschließt sich, tatsächlich den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, ist man gerade am Anfang und wenn es an die Umsetzung geht, voller Tatendrang. Doch [...]

Kommentar verfassen (damit nicht immer nur andere zu Wort kommen)

(wird nicht veröffentlicht)