27. Januar

Fundsachen: Wahre Statistiken, kostenlose Fotos und Äpfel-Birnen-Vergleiche

von Wolf Brüning 3 Kommentare

Eine wirklich witzige Themen-Idee für ihren Weblog hatte die amerikanische Designerin Jessica Hagy: Auf Ihrer Seite „This is indexed“ veröffentlicht sie fast täglich aufschlussreiche und sehr wahre Statistiken über den Alltag – als kleine aber feine Diagramme auf Karteikarten. Einige nette Beispiele:

(c) Jessica Hagy

(c) Jessica Hagy

(c) Jessica Hagy

(via NEON)

Vor bereits gut zwei Monaten hatte ich durch eine Einladung zum Beta-Test die Möglichkeit den Bilderdienst picabee zu testen. Dieser bietet dem geneigten Fotografen eine vollkommen kostenlose Entwicklung seiner Bilder. Die Finanzierung dieses Dienstes erfolgt – wie bei so vielen Web-Projekten der letzten Jahre – allein über Werbung, die in einem schmalen Streifen am Rand des Bildes mit ausbelichtet wird. Bei meinem Test war ich positiv über das sehr intuitiv und flüssig bedienbare Interface, die schnelle Lieferung und auch die Qualität der Abzüge überrascht. Ein sehr cooler Dienst, um seine Schnappschüsse (wer lässt schon seine wirklich guten Bilder von Werbung verunstalten) entwickeln zu lassen – leider ist picabee aber immer noch in der geschlossenen Beta-Phase. Einen rein werbefinanzierten Dienst zu betreiben war schon vor der Wirtschaftskrise nicht wirklich einfach, ich drücke den Gründern trotzdem die Daumen, dass es klappt.
Fotos von picabee

Zu guter Letzt: Die Firma Apple bringt es auf Ihrer Webseite wirklich fertig, Äpfel mit Birnen zu vergleichen… Auf der Download-Seite für ihren aktuellen Webbrowser Safari 3.1 wird doch tatsächlich dessen Leitung beim Abarbeiten von Javascript und HTML mit der des Firefox 2 verglichen – obwohl seit mehr als sieben Monaten der Firefox 3 aktuell ist. Hat Apple das wirklich nötig?

20. Januar

Die GPL in der Webentwicklung

von Dave Gööck 4 Kommentare

GNU oder nicht GNU?Dieser Beitrag entstand aus einer Frage, die zu unserem letzten Blogbeitrag gestellt wurde. Es ging dabei um die Bewertung der GPL und welche Rechte und vor allem Pflichten sich daraus ableiten lassen. Dies war eine wirklich gute Frage, die in meinen Augen juristisch noch nicht wirklich hinreichend beantwortet ist (oder mir ist diese Antwort nicht bekannt).

Die GPL ist in unseren Augen nicht besonders gut für Websoftware geeignet. Es gibt verschiedene Optionen, wie man sie in diesem Kontext konkret auslegen könnte. Weil das Linken von Websoftware im Sinne der GPL bei den meisten Sprachen nicht vorkommt, muss/kann man eine intentionale Auslegung dessen im konkreten Kontext suchen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Begriff des „Vertreibens“. Die GPL bezieht sich nur auf die Veröffentlichung und den Vertrieb von Software. Eine GPL-Software an meine persönlichen Zwecke anzupassen impliziert keine Verpflichtung von Veröffentlichung unter GPL (das ist anders unter der AGPL). Erst wenn ich diese dann veröffentliche oder vertreibe, bin ich dazu gezwungen. Natürlich ist das „Vertreiben“ wieder ein Punkt, der unterschiedlich ausgelegt werden kann:

  1. Strenge Auslegung: Eine strenge Auslegung würde eine Website in ihrer Gesamtheit als einheitliche Software ansehen. Bibliotheken und Erweiterungen wie Texteditoren, Javascriptbibliotheken und Eigenentwicklungen müssten dann alle unter GPL stehen, sofern die fertige Software als ganzes „vertrieben“ wird. Wenn man das „Vertreiben“ nun auch so ansieht, dass Auftragsarbeiten eines Unternehmens für ein anderes einen Vertrieb darstellen, würde das dazu führen, dass man inklusive aller Templates, Konfigurationsfiles und sonstiger Anpassungen das gesamte Projekt veröffentlichen müssten.
    Ich gehe davon aus, dass dies nicht im Sinne der Herausgeber eines CMS oder Webshops ist, da es die Nutzung faktisch unmöglich machen würde. Templates oder die Konfiguration, die eng mit der Software verwoben sind, sind schon aus Sicherheitsgründen kaum veröffentlichbar. Der Erfolg von CMS unter GPL spricht also gegen diese Deutung.

  2. Pragmatische Auslegung: Wir sehen das Ganze lieber pragmatisch. Zum einen sehen wir Auftragsarbeiten nicht als „Vertrieb“ von Software an. Unsere Kunden kaufen uns ein, um für sie etwas spezifisches zu entwickeln, bzw. ein System zu integrieren. Wir haben also kein Produktbundle aus verschiedenen Entwicklungen gegossen, sondern bieten individuelle Integrationsleistungen. Aus diesem Grunde ist es also unser Kunde, der völlig im Sinne der GPL eine modifizierte (eben spezifisch integrierte) Variante eines CMS oder Webshops betreibt. Rein intern und ohne diese wiederum zu vertreiben – er benutzt die Software lediglich und verkauft sie nicht.
    Sofern wir Software vertreiben oder verteilen wollen, müssen wir natürlich alle normalen Erweiterungen, etc. ebenfalls unter GPL stellen. Komplette Software, die über eine Erweiterung angebunden wird, darf hingegen nach unserer Auffassung auch unter einer anderen Lizenz stehen. Z.B. die Integration eines Texteditors in ein CMS über eine Erweiterung. Wir denken – im Hinblick auf die gängige Praxis – dass hier ein Schnitt existiert. Die Erweiterung, um beide Applikationen miteinander zu integrieren, sollte dann sicher unter GPL stehen…

webvariants vertritt die Philosophie, dass es wichtig ist, der Entwickler-Community auch etwas zurückzugeben und sich nicht nur mit vollen Händen daraus zu bedienen. Letztlich basieren viele Open Source Projekte auf ähnlichen Gedanken. Sofern wir für ein CMS eigene Erweiterungen implementiert haben, die ein gewisses Qualitätslevel erreicht haben, veröffentlichen wir diese unter mindestens der erforderlichen Lizenz. Für kleine, projektspezifische Patches hingegen ist der Aufwand übertrieben und nicht nötig.

Allgemein vertreten wir die Ansicht, dass die GPL eine eher ungeschickte Lizenz für Webprojekte darstellt. Offenere Lizenzen, wie die LGPL oder gar BSD, MIT oder Apache License sind viel freundlicher, um mit anderen Lizenzen integriert zu werden. Aus diesem Grunde werden alle von uns unter Open Source veröffentlichten Erweiterungen auch unter anderen, offeneren Lizenzen veröffentlicht werden.

Im Falle von XTC ist das alles ohnehin etwas prekär. XTC gibt sich eher verschlossen, was den eigenen Code betrifft. Neue Versionen sind ohnehin nicht mehr Open Source. Die Community ist allgemein sehr verschlossen und kommerziell ausgerichtet. Kostenlose Erweiterungen sind eher die Ausnahme. Wir haben uns nach unseren bisherigen XTC Erfahrungen dazu entschieden, nach Möglichkeit keine neuen XTC Projekte mehr umzusetzen, sondern unseren Kunden andere Webshops (wie z.b. Magento Commerce) zu empfehlen.

20. Januar

infopoint.de – Unser erster Webshop erblickt das Licht der Welt

von Wolf Brüning 4 Kommentare

infopoint webshop Nach bereits vielzähligen Webpräsenzen und kleinen Webprojekten hat diese Woche unsere erste, echte eCommerce-Seite das Licht des Netzes erblickt: für den Infotafel-Spezialisten Infopoint wurde die veraltete Unternehmensseite (Typo3) und der bestehende Webshop (osCommerce) durch eine neue Seite aus einem Guss ersetzt. Grundlage der Seite bildet das eCommerce-Framework xtCommerce. Dieses haben wir im Backend, also der Verwaltung, mit einigen Zusatzmodulen aufgestockt, so dass es auch reine Informationsseiten ohne Artikel anzeigen und verwalten kann. Außerdem wurden ein Abfrageformular mit automatischer Weiterleitung an bestimmte Zielartikel integriert und ein Flash-Elevator auf der Startseite integriert, der weitgehend suchmaschinenfreundlich ist. Auch das Layout und Design der Seite stammen komplett von uns. Jetzt schaun wir mal, wie sich das System im Alltag bewährt.

19. Januar

Thorsten, Obama und die Zukunft des Landes

von Wolf Brüning 3 Kommentare

Bei der Hessen-SPD muss man ja seit gestern ein ordentliches Wahldebakel verdauen. Wahrscheinlich hat aber auch niemand damit gerechnet, dass die Partei diesmal besonders viele Stimmen einsammeln wird – vor allem nach der Vorgeschichte, all den Peinlichkeiten und mit dem vollkommen unbeleckten Kandidaten Schäfer-Gümbel an der Spitze. Man hatte also nicht viel zu verlieren und so durfte die SPD-Agentur Butter einmal etwas mehr mit den neuesten Medien experimentieren und dabei sämtliche Register ziehen:

Schäfer Gümbel und die sozialen NetzeÀ la Obama tauchte „TSG“ also in allen nennenswerten Netzwerken (Facebook, Wer-Kennt-Wen, meinVZ,…) mit Profilen auf, twitterte fleißig (ließ sich sogar von Rober Basic per Twitter interviewen) und hatte auch noch seine eigene Supporter-Community (auch wenn diese von der Gestaltung her ein wenig nach Parodie ausschaut). Abgesehen aber von einigen kleinen Achtungserfolgen (mit 5 YouTube-Videos erreichte Schäfer-Gümbel immerhin 20.000 Views, Robert Koch mit 64 Videos nur 15.000) konnte das die SPD bekanntlich nicht retten.

Mit Blick auf die nahe Zukunft darf man aber gespannt sein, inwiefern im anstehenden Bundestagswahlkampf diese Methoden wieder Anwendung finden. Zumindest hat sich die SPD im Web 2.0 nun einen kleinen Erfahrungsvorsprung erarbeitet. Da sich diesmal aber jede Seite Sieg- bzw. Mitregierungschancen ausrechnet, wird man wohl weniger mutig und eher konservativer zur Sache gehen. Gewiss wird es aber einige sehenswerte oder wenigstens amüsante Web-2.0-Blüten geben. Von einem obamaesken Web-2.0-Bundestagswahlkampf sind wir aber bestimmt noch vier oder eher acht Jahre entfernt. Die wirklich mutigen und kreativen Einfälle werden bis dahin wohl nur vom „einfachen Wähler“ kommen – ungefragt natürlich.

Eine ausführliche Aufstellung zu den Web-Wahlkampf-Aktivitäten des TSG findet sich auf 72dpiclub.de. Und wer für seinen eigenen Web-2.0-Wahlkampf professionelle Hilfe sucht, findet diese hier.

15. Januar

Was wir an Websites hassen…

von Christian Metzeler Kommentieren

Manchmal stößt man auf eine Website und mag sie vom ersten Moment an nicht. Das kann einige Gründe haben und als Webentwickler sollte man sie alle vermeiden. Natürlich gibt es Geschmacksunterschiede, wenn es um das Layout und Design einer Website angeht. Was der eine mag (bunte Buttons, Animationen, Musik), hasst der andere. Generell kann man allerdings einige Grundsätze festhalten,  die man mit wachsender Professionalität im Internet einfach nicht tun darf. Hier ist also unsere simple TOP-3 der Dinge, die wir an Websites hassen:

1. Langsamer Seitenaufbau
und dieser kann mehrere Ursachen haben:

Wissen Sie, warum Google heute eines der größten und wichtigsten Unternehmen der Welt geworden ist und seine Gründer steinreich gemacht hat? Nein, nicht weil es so tolle Suchergebnisse liefert. Und auch nicht, weil es seinen Kunden soviel Mehrwert bietet. Sondern weil es schnell war und ist. Internetbenutzer haben Google in Zeiten langsamer Verbindungen lieben gelernt, weil sich Googles Startseite sofort aufbaute und man sofort das tun konnte, wozu man gekommen war: Suchen! Und deswegen hat Google die langsamen Konkurrenten wie Yahoo, Microsoft, Web.de, Altavista und andere Suchportale abgehängt. Weil diese Portale nämlich dank ihrer ganzen anderen Angbote ewig zum laden brauchten und dann auch noch langsam beim Suchen waren. Google war schnell. Und nur deswegen ist das Unternehmen heute mehr wert, als die Deutsche Bank, General Motors oder Daimler.

Sorgen Sie also dafür, dass zumindest Ihre Startseite schnell lädt. Länger als drei oder vier Sekunden sollte es nicht dauern. Wirklich nicht! Die Aufmerksamkeitsspanne von Internetnutzern ist relativ kurz und es gibt sicher Websites, die ähnliche Inhalte wie die Ihre haben und nicht so langsam sind.

  1. Grund: Zu langsamer Server
    Hurra! Unsere Website brauchte nur 48 Sekunden zum Aufbau. Super…
    Unser Tipp: besorgen Sie sich einen schnelleren! Jetzt gleich! Es gibt keinen Grund zu warten. Wenn Ihr Provider langsam ist, ist er schlecht. Denn es gibt schnelle für wenig Geld. Also los, umziehen! Oder schnelleren Server mieten.

  2. Grund: Zu dicke Startseite
    Verkleinern Sie sie, aber schnell. Flash-Startseiten sind nett – wenn Sie ein Grafikfreak sind. Würde Spiegel-Online seine Besucher mit einem halbminütgen Flash nerven, wäre die Seite gewiss nicht unter den fünf wichtigsten im deutschen Internet. Wikipedia auch nicht. Und nein… Ihre wird das auch nicht.

2. Hat der Sohn eines Bekannten einer Freundin eines Onkels gemacht, der schonmal was von diesem HDMI gehört hat… oder HPMS… HTML?

Bitte! Bitte! Bitte! Lassen Sie nicht irgendwen auf das wichtigste Instrument Ihrer Öffentlichkeitsdarstellung los, nämlich Ihre Website. Für irgendwas zwischen 500 und 5000 Euro kann sich heute jedes Unternehmen einen akzeptablen oder auch schon sehr professionellen Webauftritt kaufen. Tun Sie es bitte auch! Lassen Sie sich nicht aus Kosten- oder Gefälligkeitsgründen darauf ein, ausgerechnet Ihre Website von jemandem erstellen zu lassen, der sich weder mit barrierearmer XHTML-Erstellung auskennt, noch mit CSS, noch mit tabellenfreiem Webdesign, noch mit einem CMS, noch mit Suchmaschinenoptimierung, noch mit Sicherheitsanforderungen, noch mit regelmäßiger Aktualisierung. Und bitte lassen Sie sich keine Sachen aufschwatzen wie „Ein Disclaimer muss rein“, „Heute arbeiten alle mit dem Internet Explorer 7.0“, „Sie brauchen unbedingt Typo3“, „19 Zoll-Bildschirm hat doch jeder“, „Flash-Intro muss sein“. Wer so redet, hat zuverlässig keine Ahnung von Webentwicklung.

Das Internet ist längst kein Wilder Westen mehr: es ist erwachsen geworden und Ihre Besucher verlangen ordentliches Design, ordentliche Inhalte, eine ordentliche Struktur, kurz: Webdesign auf dem Stand der Zeit. Also, lassen Sie bitte, bitte, bitte Profis da ran.

3. Bullshit Bingo

Natürlich ist es wegweisend, wenn man seinen Besuchern einen Haufen superb klingender Begriffe vorsetzen kann. Zum Beispiel Visionen und tolle Relationships, echte Ergebnisorientierung und best effort. Wenn es dann so richtig bilateral und totally outsourced zugeht, fühlen nicht nur Sie, sondern auch Ihre Recipees sich so richtig als Cash Cows. Und vermutlich irgendwie unfokussiert. Das ist dann der Point, den Sie mit Ihrem Head of Content & Customer Management dringend beraten sollten, wem Sie mit dem ganzen Geschwätz eigentlich ein Ohr abkauen wollen? Oder besser advisen? Da sollte auf jeden Fall ein Change her. Bilden Sie also eine Task Force, um das Bullshit Bingo auf Ihrer Website zu challengen und proaktiv, kundenorientiert und synergetisch bessere Texte anzubieten. Alles klar?

Unser Tipp für Ihren Inhalt auf einer Website: Bilden Sie einfache Sätze. Vermeiden Sie Bandwurmsätze. Ersetzen Sie Anglizismen durch Deutsch. Schreiben Sie prägnant. Schreiben Sie korrektes Deutsch. Spielen Sie mit Ihren Besuchern kein Bullshit Bingo. Lassen Sie am besten auch hier Profis ran. Oder zumindest Menschen, die keine Deppenapostrophe benutz’en.