19. Februar 2010 von Christian Metzeler

Es ist schon fast eineinhalb Jahre her, dass ich die Beitragsreihe “Der Weg zum eigenen Unternehmen” geschrieben habe. Im dritten Teil kündigte ich an, mich im vierten Teil mit den ersten Monaten Betrieb und einigen Zahlen auseinanderzusetzen. Das mit den Zahlen habe ich zwischenzeitlich gemacht, aber einen echten vierten Teil gab es nicht. Daher schreibe ich jetzt mal mit der Perspektive auf ein komplettes Geschäftsjahr mit vielen Ereignissen diesen Teil.
Denn der durchaus erfolgreiche Verlauf des Jahres 2009, das bei uns kein Krisenjahr war, hat uns auch gewisse Probleme beschert. Und diese sind besonders interessant, denn Erfolg kann einem auch Kopfschmerzen bereiten. Besonders erfolgreich war beispielsweise, dass für den Auftrag für die technische Umsetzung des Projekts Pharmatching.com gewonnen haben. Für dessen technische Betreuung sind wir auch weiterhin zuständig (und haben übrigens heute ein kleines Resdesign live geschaltet). Das Projekt war unser größter Einzelauftrag in 2009 und hat einen gewissen Anteil am Wachstum der Firma gehabt. Immerhin sind wir mit 5 Mitarbeitern ins Jahr 2009 reingegangen und mit 9 haben wir es beendet. Auch die engere, schon freundschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Partnern von UCD+ hat dazu beigetragen. Aber dieses Wachstum hat uns auch Probleme beschert, denn wir mussten erkennen, dass wir mit diesem Wachstum auch unsere Organisation verbessern müssen. Insbesondere das Projektmanagement müssen wir noch verbessern. Hier haben wir in den letzten Monaten durch die Nutzung von GoogleWave (für kleinere, nicht sicherheitskritische Projekte) schon einige Fortschritte erzielen können.
Wo wir auch was tun mussten (und getan haben), war die Qualitätssicherung. Zunächst haben wir diese durch den Entwickler selbst durchführen lassen. Das war eher minder erfolgreich, denn der Entwickler eines Projekts ist ein schlechter Kontrolleur seiner eigenen Arbeit. Als nächsten Schritt haben wir zwei externe Mitarbeiter mit dem Prüfen fertiggestellter Redaxo- und Typo3-Projekte herangezogen. Das war zwar schon ein Fortschritt, aber so richtig gut hat das immer noch nicht funktioniert, weil diese als Nicht-Entwickler zwar in Front- und Backend Fehler aufspüren konnten, aber nicht im Code. Seit Anfang 2010 ist nun einer unserer Entwickler sozusagen Halbzeit mit der Qualitätskontrolle betraut und wird jedem Taks eines jeden Projekt als QA-Manager zugewiesen. Für ihn ist das natürlich eine erhebliche Arbeit. Aber für die Entwickler dieser Projekte ergeben sich dadurch haufenweise QA-Tasks. Somit verlassen unser Projekte den Laden nun tatsächlich mit einer höheren Qualität. Im Nachhinein erspart uns das zusätzlichen Zeitaufwand, um ein bereits abgeschlossenes Projekt nicht wieder öffnen und sich dort reindenken zu müssen.
Schwieriger wird auch die finanzielle Steuerung: die Projekte wurden vom Umfang her größer und dauern somit länger. Wir müssen daher mehr auf Zahlungsbedingungen achten, denn wenn wir bspw. sechs Wochen an einem Projekt mit einer Mannstelle sitzen, reicht es vielleicht nicht immer, erst nach Abnahme bezahlt zu werden… zumal wir auch immer wieder feststellen, dass Kunden zwar jede 50 Euro Ersparnis gerne mitnehmen, dann aber selbst bei Low-Budget-Projekten die Zahlungsfrist nicht nur um zwei Wochen sondern eben eher drei Monaten überschreiten. Das bedeutet, dass wir bspw. mehr mit Teilvorauszahlungen für größere Projekte arbeiten müssen, um nicht in Liquiditätsprobleme zu geraten. Und das wiederum Kunden zu verklickern, ist nicht immer einfach. Aber es muss gemacht werden.
Durchaus beunruhigend war auch die Situation, als uns eine Kundin mit einer Schadenersatzforderung belangt hat. Nach dem ersten Schreck haben wir zu unserem Glück unsere Haftpflichtversicherung herangezogen. Unsere Versicherung ist speziell für IT-Firmen ausgelegt und die hat sich des Falles angenommen. Es war für uns außerordentlich beruhigend, dass der Versicherer HISCOX sich nicht mit Formalien oder Blabla aus der Verantwortung winden wollte, sondern sich zügig um die gesamte Bearbeitung gekümmert hat – wenn vielleicht auch nicht so, wie es sich die nun ehemalige Kundin das vorgestellt hat. Meine Empfehlung daher: eine Haftpflichtversicherung für IT-Firmen ist Pflicht für jedes Webentwicklungsunternehmen. Denn in unserer Branche geht es nur selten um Personenschäden, sondern eher immer um Vermögensschäden.
Insgesamt war 2009 ein gutes Jahr, in dem webvariants deutlich vorangekommen ist. Aktuell gilt es für uns: professioneller werden, besser werden, schneller werden, hochwertiger werden und trotzdem die Liebe zum Web und dem Arbeiten darin nicht zu verlieren. Wir werden am Jahresende 2010 sehen, ob das geklappt hat.
Es bleibt sicher spannend.